„Ich setze bevorzugt auf Qualität“
Wassili Papas, profilierter Aktienfondsmanager und Speaker, im Interview

Herr Papas, was waren Ihre ersten Erfahrungen mit Geld und wie haben diese Sie geprägt?
„Ich bin als Fondsmanager in meine Investment- Laufbahn bei der Union Investment gestartet, zunächst mit der Verantwortung für einen Small- und Mid-Cap-Fonds, später mit der Leitung von Wachstumsfonds und Fonds, die im Neuen Markt investierten. Das Platzen der TMT-Blase Anfang der 2000er war für mich eine prägende Erfahrung. Sie hat mich vor allem zweierlei gelehrt: Erstens, dass strukturelle Umbrüche wie das Internet häufig von massiven Infrastrukturinvestitionen begleitet werden und man sehr genau prüfen muss, ob die reale Nachfrage im gleichen Tempo nachzieht oder ob es zu Überinvestitionen und Fehlallokationen kommt. Zweitens, dass starke Narrative und „gute Stories“ immer auch durch den kurzfristigen operativen Verlauf bestätigt werden müssen und dass diese Bestätigung stets in Relation zur Bewertung zu setzen ist.“
Was fasziniert Sie am Finanzwesen?
„Was mich am Kapitalmarkt am meisten fasziniert, ist die Notwendigkeit, Komplexität auf das Wesentliche zu verdichten und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten.“
Warum sind Sie Fondsmanager geworden?
„Schon als Kind war ich ein „Informations-Junkie“: Mich treibt an, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten, Zusammenhänge zu erkennen und daraus ein konsistentes Bild zu formen. In diesem Beruf kommt hinzu, dass man Erkenntnisse nicht nur theoretisch gewinnt, sondern praktisch umsetzt und die Qualität der Analyse sowie der Entscheidungen fortlaufend messen kann.“
Was unterscheidet einen guten Portfolio Manager langfristig von einem kurzfristig erfolgreichen?
„Die Fähigkeit kontinuierlich dazuzulernen und Parallelen, aber auch entscheidende Unterschiede in scheinbar ähnlichen Situationen zu identifizieren. Ich würde sagen, dass Fleiß eine ganz wichtige Eigenschaft für den Erfolg ist.“
Wann entscheiden Sie bewusst gegen den Markt oder gegen die Benchmark? Wie gehen Sie damit um, wenn der Fonds zeitweise hinter der Benchmark zurückbleibt?
„Ich setze bevorzugt auf Qualität, und wenn Qualitätsinvestments temporär underperformen, analysiere ich systematisch die Ursachen: Ist die Schwäche strukturell oder zyklisch? Ist sie eine Folge von zu hoher Bewertung? Wie lange könnte der Gegenwind anhalten? Langfristig setzt sich Qualität in der Regel durch, sofern kein Strukturbruch vorliegt, die Bewertung vernünftig ist und das Unternehmen nicht in einen außergewöhnlich langanhaltenden konjunkturellen Gegenwind gerät.“
Welche Kriterien ziehen Sie heran, um globale Wachstumsunternehmen für den UniFavorit: Aktien auszuwählen?
„Ein zentraler Prüfstein ist für mich die Marktstellung: Wie stark ist die Wettbewerbsposition und lässt sie sich nachhaltig verteidigen? Unternehmen „aus der zweiten Reihe“ kaufe ich nur ungern, um ein Thema abzubilden, selbst wenn sie kurzfristig die bessere Kursstory liefern mögen.“
Welche Rolle spielen ethische Standards
bei Ihren Investmententscheidungen?
„Unverzichtbar ist für mich die Integrität des Managements. Fehlen hohe Standards bei Governance sowie in sozialen und ökologischen Fragen, stellt sich für mich zwangsläufig auch die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit insgesamt.“
Sie betonen Disziplin, Erfahrung und Achtsamkeit – wie übersetzen Sie diese Werte in konkrete Portfolioentscheidungen?
„Disziplin und Achtsamkeit bedeuten im Alltag, die Investmentthese regelmäßig an Finanzkennzahlen und operativen Fortschritten zu spiegeln und bei Abweichungen konsequent zu handeln, bis hin zum Verkauf. Erfahrung zeigt sich für mich auch darin, Rückschläge routiniert zu verarbeiten und gerade in schwierigen Marktphasen handlungsfähig und methodisch zu bleiben.“
Wie gehen Sie mit der Verantwortung um, das Geld von Millionen AnlegerInnen zu investieren?
„Ich versuche, mindere Qualität im Portfolio konsequent zu vermeiden.“
Was war die demütigste Lektion, die Sie an der Börse gelernt haben?
„Das Platzen der TMT-Blase Anfang der 2000er Jahre und die damit verbundenen erheblichen Kursverluste in den Wachstums- und Neuen-Markt-Fonds.“
Was würden Sie Menschen raten, die jetzt anfangen möchten zu investieren?
„Für Privatanleger gilt aus meiner Sicht: Breit diversifizierte Sparpläne in Fonds oder entsprechend gestreute Anlagen sollten den Kern des langfristigen Vermögensaufbaus bilden.“
Wie prognostizieren Sie das Börsenjahr 2026? Welche Branchen oder Trends erscheinen Ihnen aktuell besonders aussichtsreich?
„Mit Blick auf das Börsenjahr 2026 sprechen die makroökonomischen Rahmenbedingungen für eine konstruktive Grundhaltung: Die Inflation geht zurück, die Konjunktur gewinnt an Dynamik, und die Innovationsgeschwindigkeit im Bereich Künstliche Intelligenz bleibt hoch. Produktivitätssteigernde KI-Lösungen werden zunehmend in Unternehmen ausgerollt und dürften sich Schritt für Schritt in den Geschäftsprozessen etablieren.“
Viele Menschen schauen mit besorgtem Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen? Was würden Sie diesen raten in Bezug auf ihre persönlichen Anlagen?
„Konjunktur, Inflation und Zinsen bleiben auch in diesem Jahr die zentralen Treiber der Kapitalmärkte und aktuell stehen die Signale eher auf Grün. Politische Entwicklungen können zwar für erhöhte Volatilität sorgen, dürften aber – wie bereits 2025 – den grundsätzlich günstigen Rahmenbedingungen voraussichtlich keinen nachhaltigen Abbruch tun.“
Welche strukturellen Trends sehen Sie aktuell im europäischen Aktienmarkt?
„Europa hat durch die US-Außenpolitik erkannt, dass die USA unter der Trump-Regierung aus europäischer Perspektive weniger verlässlich agieren. Das erhöht den Druck zur europäischen Koordination und kann mittelfristig zu mehr strategischer Geschlossenheit führen, was langfristig eine Chance für Europa darstellt und gut für den europäischen Aktienmarkt sein sollte.“
