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„Folge deinem Bauchgefühl“

Arne Friedrich, ehemaliger deutscher Weltklasse-Fußballspieler, Trainer und Funktionär sowie heutiger Stifter, Mentor und Coach, im Interview

Mann (Arne Friedrich) steht in weißem Polohemd und hellen Hosen auf einem grünen Golfplatz, Bäume im Hintergrund.

Arne, du warst viele Jahre lang erfolgreich im Fußballgeschäft tätig. Was waren die schönsten Erlebnisse in dieser Zeit?
„Die schönsten Erfahrungen waren die großen internationalen Turniere, bei denen ich dabei sein durfte. Zudem die Kameradschaft in der Kabine. Das Miteinander und gemeinsame Arbeiten an Zielen.“

Dein Karriereende kam verletzungsbedingt früher als geplant. Wie hast du diesen Einschnitt erlebt und war dieser vielleicht sogar ein Katalysator für deine jetzige Tätigkeit?
„Auch wenn ich mich mental darauf vorbereitet habe, dass dieser Tag kommen wird, hat es mich schon etwas unvorbereitet getroffen. Aufzuhören aufgrund einer Verletzung ist nicht schön, auf der anderen Seite hatte ich keine andere Wahl. Ich musste beginnen mir eine neue Identität zu schaffen, fernab des Fußballers Arne. Dieser Prozess war spannend und herausfordernd. Auf dieser Grundlage entstand auch die Idee meines Podcasts, der Themen wie Wandel und Umgang mit Herausforderungen behandelt.“

Du hast nach dem Fußball verschiedene Stationen durchlaufen – vom TV-Experten bis zum Co-Trainer beim DFB. Welche dieser Erfahrungen hat dich am meisten geprägt?
„Eigentlich all die Dinge, die nichts mit dem Fußball zu tun hatten. Ich habe unter anderem mit einer Werbeagentur zusammengearbeitet, in einem für mich komplett neuen Feld. Diese Erfahrungen waren ganz besonders, da ich wieder neu lernen musste.“

Heute wirkst du in vielen Rollen – als Stifter, Mentor und Coach. Wo fühlst du dich aktuell am meisten zuhause?
„Die Stiftung gibt mir Sinn, als Podcaster lerne ich eine Menge und möchte andere Menschen inspirieren. Ebenso mit meinen Keynotes. All meine Projekte heute machen mir eine Menge Freude.“

Welche Werte aus deiner Profizeit begleiten dich heute noch in deiner Arbeit außerhalb des Fußballs?
„Respekt und Miteinander sind die beiden größten Faktoren würde ich sagen. Aber der Sport vermittelt noch so viel mehr.“

Lass uns über Geld sprechen: Ist es für dich vor allem Mittel zum Zweck – oder eine Quelle für Freiheit und Gestaltungsmacht?
„Auf jeden Fall ist es eine Quelle der Freiheit. Das ist der Grund, warum ich heute meine Zeit damit verbringen kann, mich um meine Stiftung zu kümmern und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ohne diese Grundlage wäre das so nicht möglich.“

Was bedeutet dir persönlich Luxus – und hat sich deine Definition im Laufe der Jahre verändert?
„Luxus ist, dass ich in den Supermarkt gehen und mir kaufen kann, was ich möchte, ohne darüber nachzudenken, ob ich es mir leisten kann. Ich bin bodenständig erzogen worden und war mir eigentlich immer meines Privilegs bewusst.“

Viele junge Fußballprofis verdienen Summen, von denen andere nur träumen. Wie schwer ist es, in dieser Situation die Bodenhaftung zu bewahren?
„Wenn man ein gutes und gesundes Umfeld hat, ist es möglich die Bodenhaftung zu bewahren. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch heute ist es noch so, dass viele Fußballer, die viel Geld verdient haben, am Ende ihrer Karriere keine Rücklagen haben.“

Gab es in deiner Karriere Momente, in denen du selbst gespürt hast, den Bezug zur Realität zu verlieren – und wie bist du damit umgegangen?
„Nein, diesen Moment gab es nie.“

Ein prägendes Erlebnis, der Besuch auf einer Kinder-Intensivstation im Jahr 2005, war der Auslöser für dein heutiges Engagement. Kannst du diesen Moment noch einmal beschreiben – und was er mit dir gemacht hat?
„Ich habe Kinder im Deutschen Herzzentrum besucht und mich mit den Familien unterhalten. Dieser Besuch dauerte circa zwei Stunden. Danach habe ich das Krankenhaus verlassen und mich in ein Café gesetzt. In dem Moment wurde mir bewusst, wie gut es mir geht. Wohlwissend, dass es Familien gibt, die über Monate oder gar Jahre einen Großteil ihrer Zeit im Krankenhaus verbringen.“

Wenn du deine Stiftung noch einmal gründen könntest: Würdest du heute etwas anders
machen oder hat das Konzept von Anfang an funktioniert? Wie hat sich deine Stiftung über die Jahre entwickelt und verändert?
„Ich hätte meine Stiftung lediglich eher gegründet. Denn dann hätte ich früher beginnen können, Menschen zu helfen. Uns gibt es nun bereits zehn Jahre und ich blicke mit Dankbarkeit und Demut zurück. Wir wollen weiterwachsen und suchen ständig nach Unterstützern und Partnern.“

Wie stellst du sicher, dass deine Stiftung langfristig zukunftsfähig bleibt – auch über deine eigene Person hinaus? 
„Ich hoffe, dass meine Stiftung auch nach meinem Ableben Menschen helfen wird. Denn aus diesem Grund habe ich die Stiftung gegründet. Es geht nicht um mich, sondern um die Projekte.“

Welche Projekte haben dich persönlich am meisten bewegt – in Berlin oder in Ruanda?
„Da möchte ich nicht unterscheiden. Es sind alles Projekte, die mir sehr am Herzen liegen. Und ich bin froh, dass wir so breit aufgestellt sind.“

Nach welchen Kriterien misst du den Erfolg in der Stiftungsarbeit – eher an Zahlen, an Geschichten oder an nachhaltigen Veränderungen im Alltag der Menschen?
„Früher wollte ich am liebsten allen Menschen helfen und ich habe mich etwas unter Druck gesetzt. Heute sehe ich es gelassener. Wir helfen so vielen, wie wir können. Am Ende würde es sich ja schließlich sogar lohnen, wenn wir das Leben eines Menschen verbessern. Wir arbeiten so hart und gut es geht. Aber ohne uns selbst unter Druck zu setzen. Der Mensch steht immer im Mittelpunkt.“

Glaubst du, dass weitere aktive oder ehemalige Fußballprofis deinem Beispiel folgen und eigene Stiftungen gründen werden?
„Es gibt bereits einige Profis, die großartige Stiftungen haben. Und das wird auch so
weitergehen.“

Viele Fußballer haben sich der Initiative Common Goal angeschlossen, die viele soziale Projekte im Zusammenhang mit Fußball in der ganzen Welt unterstützt. Was hältst du von diesem Ansatz?
„Ich finde diesen Ansatz super. Es gibt so viele tolle Wege. Ich habe mich für meine Stiftung
entschieden.“

Wie wichtig ist es deiner Meinung nach, dass Profisportler über den Sport hinaus gesellschaftliche Verantwortung übernehmen?
„Ich halte das für extrem wichtig, da Sportler eine gewissen Reichweite und Präsenz haben. Und eine Vorbildfunktion. Menschen schauen auf ihr Verhalten.“

Der Fußball ist ein globales Geschäft. Siehst du auch eine globale Verantwortung der Branche in sozialen Fragen?
„Am Ende finde ich, liegt die Hauptverantwortung bei den Vereinen und Verbänden, die ein gewisses Konstrukt vorgeben. Die Werte bestimmen. Aber auch Sportler tragen eine Verantwortung. Am Ende ist es auch ein Prozess. Zu Beginn meiner Karriere lag mein Fokus auch noch nicht so sehr auf gesellschaftsrelevanten Themen.“

Stelle dir vor, ein junger Profi liest dieses Interview. Welche drei Ratschläge würdest du ihm geben – in Bezug auf Geld, Werte und gesellschaftliches Engagement?
„Folge deinem Bauchgefühl. Umgib dich mit Menschen, denen du vertraust. Und lege nicht alle Eier in einen Korb ;-)“

Wie beurteilst du die bisherige Zusammenarbeit mit der Braunschweiger Privatbank?
„Sehr vertrauensvoll und eng. Die BSPB unterstützt uns nun bereits seit einigen Jahren.“

Wenn du auf d eine bisherige Arbeit zurückblickst: Was hast du dabei am meisten über dich gelernt?
„Dass man nie auslernt. Und dass es auch mal ok ist, nicht alles perfekt zu machen.“

Gibt es ein Ziel, das du mit deiner Stiftung in den nächsten zehn Jahren unbedingt erreichen möchtest?
„Nein, wir wollen aber weiterwachsen, um möglichst vielen Menschen zu helfen.“