Das Comeback der Emerging Markets
Kolumne Ansgar Nolte

Ausgerechnet im ersten Jahr von Donald Trumps zweiter Amtszeit feiern die Emerging Markets ein erstaunliches Comeback. Dabei musste man noch vor Jahresfrist annehmen, dass insbesondere die Emerging Markets, angeführt von China, unter seiner protektionistischen Handelspolitik leiden.
Was sind die Gründe für diesen Aufschwung und kann er sich fortsetzen?
Da ist zunächst die Schwäche des US-Dollar zu nennen. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump hat der US-Dollar gegen einen breiten Währungskorb um mehr als 10 Prozent abgewertet. Eine Dollar-Abwertung hilft den Emerging Markets, da sie ihre Verbindlichkeiten vielfach in Dollar aufgenommen haben und sich durch die Dollar-Abwertung die Finanzierungsbedingungen (Zins- und Tilgungszahlungen, abnehmendes Risiko von Zahlungsproblemen) verbessern.
Hinzu kommt, dass mit einem schwächeren Dollar auch weniger Inflation in die Emerging Markets importiert wird, so dass auch die heimische Geldpolitik tendenziell lockerer sein kann, was wiederum das wirtschaftliche Wachstum unterstützt. In den vergangenen Monaten wurde zudem immer deutlicher, dass sich China in den Zollverhandlungen mit den USA nicht kampflos geschlagen gibt. Im Gegenteil, mit dem Zugang zu seltenen Erden, die die USA zwingend für viele High-Tech-Produkte brauchen, ist man in einer guten Verhandlungsposition, die man an passender Stelle immer wieder geschickt hebelt.
Hinzu kommt, dass der US-Anteil am Export mit den protektionistischen Maßnahmen der Trump-Regierung tendenziell abnimmt, was die Position der USA in den Zollverhandlungen im Laufe der Zeit wiederum verschlechtert. Ein weiterer Grund für die gute Entwicklung in den vergangenen Monaten ist die Tatsache, dass Aktien und Anleihen aus den Emerging Markets in den globalen Anlageportfolios bis zuletzt sehr unterrepräsentiert waren. Zu groß waren bis zuletzt die Anziehungskräfte insbesondere des US-Aktienmarktes, der mit seiner KI-Fantasie alles überstrahlte und große Summen internationalen Kapitals anzog. Dieser Trend scheint sich nun gedreht zu haben. Auswertungen der US-Bank JP Morgan zeigen einen stetigen Mittelabfluss bis Mitte 2025, danach aber einen deutlichen Trendwechsel und zuletzt massive Zuflüsse.
Auch in den Emerging Markets sitzen Unternehmen, die massiv vom globalen KI-Boom profitieren, wie die Chiphersteller Taiwan Semiconductor (TSMC) oder SK Hynix. Und nach der sehr guten Entwicklung der US-Aktien sind diese vielfach günstiger zu haben als ihre US-Pendants.
Die Emerging Markets waren zuletzt in der Zeit rund um die Finanzkrise, also vor mehr als 15 Jahren, sehr angesagt in den globalen Anlageportfolios. Damals profitierten sie vom massiven Wachstum in China und dessen Rohstoffhunger. Der Rohstoffreichtum vieler Emerging Markets, beispielsweise den Ländern Südamerikas, macht sie auch aktuell mit Blick auf Themen wie beispielsweise Künstliche Intelligenz wieder interessant. Die rohstoffkonsumierenden Volkswirtschaften Asiens haben sich dagegen in vielen Bereichen zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für die Industrieländer entwickelt. Paradoxerweise könnte ausgerechnet die Regierung Trump für ein nachhaltiges Comeback der Emerging Markets in den Anlageportfolios sorgen.
