Anleger im Goldrausch
Die Aktienmärkte haben ein weiteres gutes Jahr mit deutlich zweistelligen Kurszuwächsen hinter sich. Noch besser als die Aktienmärkte der Industrieländer schnitt allerdings Gold ab, das per 31.10.2025 in USD gerechnet mehr als 52% zulegen konnte. Das Edelmetall glänzte bereits im Jahr 2024 mit deutlichen Kurszuwächsen. Was sind die Gründe dafür und kann man mit einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung rechnen?

Für den Kursanstieg lassen sich im Wesentlichen drei Gründe ausmachen:
Bereits seit Jahren steigt die Nachfrage der Notenbanken nach Gold, insbesondere der Banken aus Entwicklungsländern. Sie wollen damit ihre Vermögenswerte breiter diversifizieren und die bestehende Abhängigkeit vom US-Dollar reduzieren. Denn nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges wurden viele ausländische Anlagen der russischen Notenbank eingefroren, die insbesondere auf US-Dollar lauten. Den Notenbanken wurde damit ihre Abhängigkeit von der US-Währung deutlich vor Augen geführt und diese versuchen sie entsprechend zu reduzieren.
Zweitens hat die politische Unsicherheit in der zweiten Amtszeit von Donald Trump noch einmal deutlich zugenommen, die Politik des US-Präsidenten erscheint nicht kalkulierbar, was den Bedarf der Investoren nach einer Art sicherem Hafen für einen Teil ihrer Geldanlagen erhöht. In diesem Zusammenhang sind auch die immer lauter werdenden Sorgen der Investoren vor den ausufernden Staatsschulden in vielen Industrieländern anzuführen, die die Nachfrage nach realen Vermögenswerten steigen lassen. Wege aus der Schuldenfalle wären eine steigende Inflation, stärkere Sparanstrengungen des Staates oder ein höheres, nicht schuldenfinanziertes Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, wovon der Weg über die höhere Inflation als der realistischste erscheint. Diese Geldentwertung würde wiederum die Entwicklung von realen Anlagen wie Gold begünstigen.
Drittens kommen seit Mitte 2024 sinkende Leitzinsen unterstützend hinzu. Da Anlagen in Gold keine Zinsen erwirtschaften, sinken mit fallenden Zinsen die Opportunitätskosten der Anleger für Gold, so dass eine Anlage in dem Edelmetall relativ gesehen an Attraktivität gewinnt. Auch der seit Trumps Amtsantritt schwache US-Dollar hilft, denn dadurch wird Gold, das in US-Dollar gehandelt wird, in anderen Währungen günstiger.
Wie kann es nun nach dem starken Kursanstieg weitergehen?
Eine Fortsetzung der kurzfristigen Korrekturbewegung von Mitte bis Ende Oktober ist nach dem starken Kurseinstieg nicht ungewöhnlich und als gesund einzustufen. Mittel- bis langfristig erscheinen aber die beiden oben genannten fundamentalen Faktoren - die anhaltend hohe Nachfrage der Notenbanken und die sich verschärfende Schuldensituation vieler Industriestaaten - als maßgeblich für die weitere Entwicklung des Goldpreises an. Die Entwicklung der Zinsen und des US-Dollar sind dagegen eher kurzfristigere Einflussfaktoren. Da die Regierung Trump sehr öffentlichkeitswirksam niedrigere Zinsen propagiert, die auch den US-Dollar schwächen dürften, können allerdings auch diese Faktoren längerfristig einen positiven Einfluss auf den Goldpreis haben.
Die Perspektiven für Gold bleiben also weiterhin gut. Eine spürbare Beimischung im Anlageportfolio ist daher weiterhin sinnvoll, deutliche Rückschläge können zur Aufstockung genutzt werden.
