Die Zukunft der Medizin – Megatrends im Gesundheitswesen

»Werte leben, Werte schaffen« lautet das Motto der Braunschweiger Privatbank. Auch wenn der Schwerpunkt unserer Tätigkeit auf der Vermögensverwaltung und Portfolioberatung liegt, ist der größte Wert doch die Gesundheit. Die anhaltende Corona-Pandemie verdeutlicht uns das jeden Tag aufs Neue. Darum hat sich die Braunschweiger Privatbank für die Veranstaltung »Die Zukunft der Medizin« engagiert, die von der Berliner Bürgerstiftung im Rahmen der Factory Lounge veranstaltet wurde.

Dr. Jasper zu Putlitz im Rahmen der Factory Lunge 2021Bild: Dr. Jasper zu Putlitz // Braunschweiger Privatbank

Rasante Entwicklung nimmt weiter Fahrt auf

In seinem Vortrag im historischen Hörsaal des Kaiserin-Friedrich-Hauses legte Dr. Jasper zu Putlitz dar, welche Fortschritte die Medizin von den Anfängen bis heute bereits gemacht hat, und was schon bald möglich sein wird. Zudem erklärte er, warum die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren noch deutlich an Fahrt aufnehmen wird und welche Herausforderungen damit einhergehen.

Beispiel 1: Personalisierte Therapien

Jeder Patient und jede Krankengeschichte ist anders, sodass eine personalisierte Behandlung effektiver ist als eine Standardtherapie. Dank großer Datenbanken und Big Data wird es schon in absehbarer Zeit Standard sein, selbst für seltene Erkrankungen vergleichbare Patientengruppen zu finden. Anhand deren Behandlungen und Krankheitsverläufen können die Ärzte ableiten, wann welche Medikamente, Operationen oder anderweitige Maßnahmen den größten Heilungserfolg versprechen.

Beispiel 2: Telemedizin

Zum einen wird es immer mehr Online-Sprechstunden geben, sodass die Patienten nicht mehr zwingend persönlich in der Arztpraxis vorstellig werden müssen. Zum anderen wird es vermehrt ‘Apps auf Rezept’ geben. Diese können Patienten helfen, die zum Beispiel unter Phobien, Schlafstörungen oder Diabetes leiden, fettleibig sind oder sich nach einer OP in der Reha befinden. Von der App erhalten sie fortlaufend Tipps, Hinweise oder Anleitungen, was sie machen oder wie sie sich verhalten sollen, um die Erkrankung möglichst in den Griff zu bekommen. Der Schlüssel ist hier, dass die Apps so aufbereitet werden, dass die Motivation der Patienten hochgehalten wird. Stichwort: Nudging.

Beispiel 3: In-Vivo-Gentherapie

Die In-Vivo-Therapie ist schon lange ein Traum vieler Mediziner, der auf breiter Front Realität werden könnte. Die Idee dahinter ist, konkrete Erkrankungen mit genetischer Ursache direkt an der Wurzel behandeln zu können. Hier gibt es bereits erfolgversprechende Ansätze. Die Anwendungsfälle gegen Mutationen sind schier grenzenlos, was auch in der Krebsmedizin einen Durchbruch bedeuten könnte.

Beispiel 4: Operationen durch autonome Roboter

In der Zukunft werden Operationen vermehrt von einem präzisen, autonomen Roboter durchgeführt. Ein Arzt überwacht die OP dann nur noch und gibt dem Computer gegebenenfalls Befehle. Dies klingt für viele Menschen im ersten Moment befremdlich, aber sorgt dank vieler Vorteile (z. B. weniger Blutungen, geringere Infektionsrisiken, keine Kunstfehler) für mehr Sicherheit für die Patienten.

Beispiel 5: Exoskelette

Danke mobiler Exoskelette wird es für Menschen mit Behinderungen und Lähmungen möglich sein, wieder mehr als Leben und der Gesellschaft teilzunehmen, Motto: Raus aus dem Rolli, kein in die Rüstung. In einem nächsten Entwicklungsschritt wäre, dass das Gerät bei einem Rückenmarksschäden auch direkt über das Gehirn gesteuert werden kann.

Beispiel 6: Virtuelle Assistenten

Virtuelle Assistenten wie beispielsweise in Form hoch entwickelter Chat-Bot können Ansprechpartner für hilfsbedürftige Menschen sein und sie bei der häuslichen Versorgung unterstützen. Ein Einsatz ist ebenso in den Bereiche Wellness und Prävention denkbar. Zudem können Sie Frühverdachtsdiagnosen stellen und so eine Erkrankung verhindern, bevor sie ausbricht.

Beispiel 7: Value-based Health Care

Bisher werden Ärzte und Krankenhäuser in Deutschland nach bestimmten Leistungen (z. B. eine Operation) vergütet, unabhängig vom Ergebnis dieser Leistung. In Schweden und den Niederladen gibt es bereits teilweise eine qualitätsorientierte Vergütung. Auch hierzulande ist damit zu rechnen, dass die Qualitätsmessung ausgeweitet wird, Vergütungsmodelle umgestellt werden und Patientenerfahrungen dabei einbezogen werden

Fazit

Die Medizin macht rasante Fortschritte, die im Ergebnis zu mehr Qualität und Gesundheit führen. Diese Entwicklungsschritte führen allerdings größtenteils zu deutlichen Ausgaben im Gesundheitssystem. Noch ist offen, wie das auch angesichts des demografischen Wandels über die Krankenversicherung finanziert werden kann. Eine notwendige Bedingung ist allerdings in jedem Fall eine massive Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Deutschland hat hier einen eklatanten Nachholbedarf.

Digitalisierung ist nicht nur wichtig, damit Ärzte und das Pflegepersonal sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können, statt unverhältnismäßig viel Zeit mit Verwaltung und Bürokratie beschäftigt zu sein. Außerdem führt diese zu Kostendämpfungen und lindern auch den steigenden Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal. Es kann aber nicht die Lösung sein, aus einem Selbstzweck alles zu digitalisieren. Vielmehr besteht die große Herausforderung im Gesundheitswesen darin, die Daten und Leistungen sinnvoll zu verknüpfen.

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