»Klimaschutz schafft Wachstum und Gewinn«

Interview mit Altan Günsoy von der Global Climate GmbH

Altan Günsoy - Global Climate GmbHDas Klima schützen und gleichzeitig im eigenen Unternehmen eine bessere Rendite erzielen. So lautet das Versprechen der Global Climate GmbH, die mit einer speziell entwickelten Software die Emissionsverursacher in einem Unternehmen analysieren und ersichtlich machen kann. Im Interview verrät der Gründer und Steuerberater Altan Günsoy,  warum der Druck der Politik und der Konsumenten in Sachen nachhaltiges Wirtschaften zunimmt, warum sich Investitionen in den Klimaschutz auszahlen und wie damit sogar Gewinne erzielt werden können.

Herr Günsoy, das Klima schützen und gleichzeitig eine bessere Rendite erwirtschaften ­- das klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

Da haben Sie recht. Aber als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater können wir Dinge nicht einfach behaupten, wir müssen auch nachprüfbare Beweise erbringen. Die Grundlage dafür sind hohe gesetzliche Anforderungen in unserer Branche. Deshalb arbeiten wir mit einer innovativen Software, die alle relevanten Buchungen in einem Unternehmen identifiziert, die etwas mit Emissionen zu tun haben. So geben wir dem Management die Möglichkeit, CO2-Hotspots zu erkennen. Auf Basis dessen können dann im Unternehmen selbst oder auch gerne mit unserer Hilfe Ideen und Pläne entwickelt werden, mit welchen Investitionen umweltbelastende Faktoren reduziert werden können.

Bitte nennen Sie ein Beispiel.

Bei einem führenden Unternehmen im Bereich 3D-Druck ergab unsere Analyse, dass die Energieversorgung, die Logistik für die Abfälle und deren Entsorgung in besonderer Weise emissionsrelevant sind. Daraufhin hat das Unternehmen CO2-reduzierende Maßnahmen eingeleitet, wodurch es nun 1/3 der jährlichen CO2-Emissionen einspart. Im nächsten Jahr plant das Management in nachhaltige Maßnahmen zu investieren, um noch mehr Emissionen zu sparen. Und das rechnet sich. Unsere speziell auf Branchen und Unternehmensgrößen zugeschnittenen Kalkulationen belegen das eindrucksvoll.

Ein anderes Beispiel: Für eine Bank haben wir nach dem Erwerb einer größeren Geschäftsimmobilie aufgrund der vorliegenden Daten ausrechnen können, das bei einem fünfstelligen Investment in eine andere Beleuchtung schon im Folgejahr eine noch größere Summe eingespart werden kann. Das bedeutet eine sehr schnelle Amortisation und eine Rendite in den Folgejahren.

Gilt das Renditeversprechen für alle Unternehmen?

Ja, denn Klimaschutz ist gleichzeitig eine nachhaltige Investition in das eigene Unternehmen, er verbessert Strukturen und Prozesse effektiv und nachhaltig und er schafft Rendite. Darüber hinaus gibt es noch wertvolle Nebeneffekte wie zum Beispiel ein Imagegewinn nach innen und außen, wodurch sich wiederum Ansatzpunkte fürs Recruiting, für PR und Marketing ergeben. Vor allem bei der jüngeren und sehr umweltbewussten Zielgruppe sammeln die eigenen Produkte dadurch Pluspunkte.

Welche positiven Folgewirkungen das haben kann, zeigt sich ebenfalls anhand des eingangs erwähnten 3D-Druck-Unternehmens: Nach der Lokalisierung der CO2- Hotspots und Einleitung von Reduktionsmaßnahmen hat sich deren Hausbank aufgrund des besseren ESG-Ratings bereit erklärt, die Zinsen für anstehende Kredite zu senken, was wiederum zur verbesserten Wirtschaftlichkeit des Unternehmens beiträgt.

Also sind Klimaschutzzertifikate die schlechtere Alternative?

Definitiv! Das ist eine Art Ablasshandel, der nur rein rechnerisch einen Effekt hat. Die Unternehmen kaufen sich damit frei, produzieren aber weiterhin die gleiche Menge an CO2. Außerdem ist das Geld weg, ohne dass es dem eigenen Unternehmen zugutekommt. Dieses so genannte „Greenwashing“ ist meines Erachtens ein Auslaufmodell, denn die Politik zieht derzeit die Daumenschrauben an und verschärft den Maßnahmenkatalog.

Was plant die Politik in Sachen Klimaschutz?

Neben der Nachhaltigkeitsberichtspflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen ist jetzt eine zusätzliche Berichterstattungspflicht im Gespräch. Mit einem sogenannten Klimarisikobericht sollen Anleger und Kreditgeber, Kunden und Geschäftspartner darüber informiert werden, wie ein Unternehmen klimabezogene Risiken identifiziert, beurteilt und steuert.

Die Unternehmen werden also über kurz oder lang nicht umhinkommen, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen und relevante Informationen wie ihren CO2-Ausstoß offenzulegen. Je eher Unternehmen handeln, desto besser können sie in Zukunft mit derartigen Anforderungen umgehen. Eine große Hilfe ist dabei die Möglichkeit, Fördermittel aus unterschiedlichen Töpfen für energieeffiziente Technologien zu erhalten.  

Was ist beim Klimaschutz im Unternehmen der erste Schritt?

Um CO2 einzusparen, ist es wichtig zu wissen, wo und in welchem Umfang Emissionen entstehen. Diesen Status quo können wir in kürzester Zeit mit unserer datenbasierten Software ermitteln. Sie analysiert ausgewählte Finanzdaten, die in jeder Buchhaltung als Geschäftsvorfall auf der Kostenseite auftauchen: Rohstoffe, Energieverbrauch, Geschäftsreisen, Materialkosten, Logistik, Immobilien etc. Das erlaubt uns, eine realistische, transparente, vergleichbare und revisionssichere Klimabilanz zu erstellen, die auf Echtwerten statt auf Schätzwerten beruht.

Wie arbeits- und kostenintensiv ist das?

Aufgrund der digitalen Buchhaltung und vorhandener Schnittstellen benötigen wir je nach Größe der Firma lediglich bis zu zwei Wochen. Dabei können wir auch problemlos Tochterunternehmen und Lieferketten mitberücksichtigen. Die Unternehmen selbst haben de facto kaum Aufwand. Und die absetzbaren Kosten sind gering. Für Firmen mit bis zu 50 Mitarbeitern berechnen wir einmalig 2.000 Euro. Bei größeren Unternehmen mit umfangreicherer Datenlage und Prozessstrukturen ist es mehr, aber immer noch günstig.

Die niedrigen Preise erklären sich auch dadurch, dass wir möglichst vielen Unternehmen die Chance zum Mitmachen bieten wollen, damit wir einen größtmöglichen Beitrag zum Klimaschutz leisten können Außerdem können interessierte Unternehmen unsere Software zu einem kleinen Preis nachfolgend über eine Lizenz nutzen.

Wie geht es nach der ersten Analyse weiter?

Unsere Energieberater können anschließend mit dem Management beraten, welche Reduktionsmaßnahmen sinnvoll sind, welche Investitionen dafür erforderlich wären, wie rentabel diese sind und welche Fördermittel infrage kommen. Hierbei setzen wir auch ein Rating-Instrument ein, mit dem wir die Nachhaltigkeit von einzelnen Investments und von ganzen Unternehmen bewerten. Und ein Tool zur Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichtes gibt es bei uns – quasi als Nebenprodukt – kostenlos dazu.

Wie werden die Fortschritte überwacht?

Wenn das Unternehmen sich entschlossen hat, CO2 einzusparen, kann es die Bereiche und den Umfang festlegen, in denen dies bewerkstelligt werden soll. Wir vergeben daraufhin ein Zertifikat, das ein Jahr gültig ist und überprüfen anschließend die Zielerreichung. Der fortlaufende Prozess soll dazu führen, dass konsequent an der Nachhaltigkeit gearbeitet wird. 

Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, Global Climate zu gründen?

Als Inhaber einer internationalen Steuerberatungsgesellschaft beschäftige ich mich täglich mit Relevanzkennzahlen von Unternehmen. Und wir haben sechs Kinder, die mir in vielen Diskussionen aufgezeigt haben, dass wir noch ambitionierter beim Klimaschutz sein sollten. Im ersten Schritt wollte ich deshalb den CO2-Fußabdruck meines Unternehmens ermitteln lassen, habe allerdings keinen einzigen Dienstleister gefunden, der dabei helfen konnte. Viele in der Branche arbeiten offensichtlich nur mit Schätzwerten, aber die genügten meinen Ansprüchen nicht, da sie kein realistisches Bild zeichnen. Ich habe mich daraufhin mit Mitarbeitern in der Sozietät zusammengesetzt und wir haben schließlich Global Climate gegründet, um es besser zu machen. Mittlerweile haben wir weitere Mitstreiter gefunden, Ingenieure, Architekten, IT-Experten und Kommunikationsexperten. Uns verbindet die Leidenschaft für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sowie das Ziel, diese so wichtigen Themen verlässlich, seriös, aber möglichst einfach in die Unternehmen zu tragen. Unterm Strich war es reiner Zufall, dass ich auf die Idee gekommen bin, meine Expertise mit den Wünschen meiner Kinder sinnvoll zu verbinden.

Mehr Infos auf global-climate.de

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