Hype um Bitcoin und Coinbase – Nur der Anfang oder schon der Anfang vom Ende?

Erinnern Sie sich, Ende der 1990er Jahre strömten viele hippe (Technologie-)Unternehmen mit blumigen Versprechen, revolutionären Ideen und progressiven Geschäftsmodellen an die Börse. Substanz und Gewinne? Fehlanzeige, aber die sollten ja später noch kommen. Wiederholt sich das Schicksal des „Neues Marktes“ mit Coinbase und den Kryptowährungen?

Bitcoin Hype

Viele Stars der Szene sind verglüht

Die Suchmaschine Nr. 1 war damals noch Yahoo. Stars der Börse wie EM.TV, Mobilcom, Intershop, Singulus, Teles u. v. m. waren astronomisch bewertet und nahmen unterschiedlichste Schicksale. Der Markt vervielfachte sich in kurzer Zeit mehrfach. Im März 2001 erreichte der Index, der 1997 bei 1000 Punkten gestartet wurde, mit 9666 Punkten seinen Höhepunkt. Doch dann es ging es fast nur noch abwärts. Nur eineinhalb Jahr später notierte der Index bei mickrigen 318 Punkten. Ein Unternehmen nach dem anderen wurde insolvent – und das so verheißungsvolle Marktsegment im Juni 2003 wieder geschlossen. Bis dahin hatten sehr viele Menschen viel Geld an der Börse verloren.

Parallelen zwischen Coinbase und dem Neuen Markt

Die Börseneinführung der Handelsplattform für Kryptowährungen Coinbase in den USA erinnert an die Geschehnisse um die Jahrhundertwende am Neuen Markt. Heute sind die Umstände gewiss anders, aber der Vergleich einer Grafik des NEMAX 50 (Index der 50 größten Unternehmen des Neuen Marktes) mit dem Bitcoin weckt ungute Erinnerungen, angesichts der sich eklatant ähnelten Wege auf ungeahnte Höchststände.

Coinbase verfügt nach wenigen Tagen über eine Börsenbewertung von fast 60 Mrd. Euro.  Zum Vergleich: Die Aktien der Wertpapierbörse NASDAQ, an der die Stars der Digitalisierung wie amazon.com, Apple, Facebook, Alphabet etc. gehandelt werden, kommt auf eine Marktkapitalisierung von knapp 22 Mrd. Euro.

Kryptowährungen mit heftigen Kursschwankungen

Für einen Blick auf die 200 Tage Durchschnittslinie ist es bei Coinbase noch zu früh, die Aktie notiert erst seit ein paar Tagen. Ein Blick auf den Kurs von Bitcoin/USD zeigt in der Vergangenheit jedoch heftige Schwankungen.

Eine Abweichung des Tageskurses um mehr als 30% vom 200-Tage-Durchschnitt kann man getrost als Übertreibung bezeichnen. Welcher Trend die Börsen auch immer bestimmt hat, geblieben ist die ungeheure Anziehungskraft des Durchschnitts. Nicht nur der Bitcoin/USD hat sich ihm immer wieder angenähert, auch von anderen Kursen ist das so zu erwarten.

Ist Bitcoin überhaupt eine Währung?

Die Frage, ob Bitcoin eine Währung sei, hat Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, in einem Interview deutlich verneint. Zwar wies er Bitcoin und anderen hochspekulativen Kryptowährungen die Eigenschaft einer digitalen Anlageklasse zu, definierte eine Währung aber als das Geld eines Staates und vom jeweiligen Gesetzgeber anerkannt. Ob und wie sich die digitale Anlageklasse nachhaltig durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Yahoo war wirklich mal richtig hipp, Google machte wenige Jahre vor der Jahrtausendwende seine ersten Schritte und ging erst 2004 an die Börse. Wir dürfen gespannt bleiben, welche Trends wir im Bereich der Kryptowährungen noch sehen werden oder ob Geschichte sich wiederholt.

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