»Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung brauchen Unternehmer«

Warum die Transformation in eine nachhaltige und komfortable Industriegesellschaft nur mit Hilfe von Unternehmen gelingen kann, erklärte Umweltexperte Dr. Ralf Utermöhlen bei der Verleihung des Unternehmerpreises der Region 38 im BZV Medienhaus.

Vortrag von Dr. Ralf Utermöhlen über NachhaltigkeitBild: Dr. Ralf Utermöhlen fordert mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft.

Keine Alternative zu mehr Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz

Dr. Utermöhlen hatte bei seinem Vortrag nicht die Absicht, ein apokalyptisches Bild zu zeichnen – und doch machte er deutlich, dass es zu mehr Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz keine Alternative geben kann, wenn wir unser Komfortniveau halten wollen und die Welt für die Menschheit lebenswert bleiben soll. »Andernfalls wird es für die Weltgemeinschaft mindestens ungemütlich oder gar bedrohlich«, angesichts von prognostizierten weltweit 300 Millionen Menschen, die bei einer Steigerung der Durchschnittstemperatur von 2,5 Grad schon bis zum Jahr 2050 zur Flucht gezwungen sein werden. Wesentliche Fluchtursachen wären dann regelmäßige Überflutungen und Hungersnöte.

Deutschland beheimatet nur ein Prozent der Weltbevölkerung, ist aber für zwei Prozent der Emissionen verantwortlich. »Wir können die Welt nicht alleine retten, aber ihr zeigen, wie eine nachhaltige Wirtschaft funktioniert und unsere Innovationen in die Welt exportieren«, so der renommierte Umweltgutachter. 

Große Lösungen statt Pillepalle

Was also tun? Nötig ist eine Transformation der Gesellschaft, die mit einer neuen Werte- und Wertschöpfungsarchitektur einhergeht. Kleinteilige Verordnungen wie Verbote von Plastiktüten, Fahrverbote oder ein Veggie Day seien jedoch nicht die Lösung. Um wirklich etwas zu bewegen, muss an den großen Schrauben gedreht werden. Dazu zählen laut Dr. Utermöhlen unter anderem:

  • Stopp der Abholzung von Wäldern und massive Aufforstung
  • Weg von der Verbrennung fossiler Energieträger hin zu mehr regenerativen Energiequellen
  • Erhaltung der Biodiversität durch Schaffung von Rückzugsräumen für die Natur
  • Trockenlegung von Finanzströmen in nicht nachhaltige Aktivitäten („Substainable Finance“)
  • Anpassung der Preise für Flugreisen, Benzin, Fleisch, Milch etc. an ihre wahren Umweltkosten
  • Ausbau und Förderung der Kreislaufwirtschaft

Unternehmen müssen Innovationen schaffen

Darüber hinaus braucht es laut Dr. Utermöhlen Unternehmen, die den erforderlichen Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft mit klugen Ideen und Investitionen vorantreiben und begleiten. Ob Industrie, Tourismus, Mobilität, Textilien oder Lebensmittel – an wirklicher Nachhaltigkeit führt kein Weg vorbei. Die Politik kann dafür allerdings nur die Rahmenbedingungen schaffen, die Innovationen und Geschäftsmodelle müssen letztlich von den Unternehmen kommen.

Dazu zählen beispielsweise Lebensmittelinnovationen (Invitro-Fleisch aus dem Labor), Verpackungsinnovationen (essbare Überzüge), neue Speichertechnologien (chemische Speicher, Wasserdruckspeicher), Plus-Energie-Häuser, neue Geschäftsmodelle im Tourismus und klimaneutrales Fliegen sowie langlebige, reparaturfähige Produkte.

Veränderungen als Chance begreifen

Die Unternehmen müssen sich auf Gesetzesänderungen, Gebote und Verbote einstellen. Diese Veränderungen werden nicht jedem gefallen, aber vor allem die Unternehmer sollen sie laut Dr. Utermöhlen nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance begreifen. Die nötigen Umwälzungen hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft sind zudem allemal besser, als die drohenden Konsequenzen, wenn wir einfach so weitermachen würden wie bisher.

Hier können Sie sich den kompletten Vortrag von Dr. Ralf Utermöhlen anschauen (28 Min.):

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