Der Kompass für die Zukunft

Über die Taxonomie will die EU eine Regulierung ermöglichen, die für alle Anleger Klarheit schafft und Sicherheit darüber geben, dass wirklich in ein "grünes" Finanzprodukt investiert wird. Wir sprechen mit Jürgen Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank BraWo, über die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Finanzbranche, über erste Erfolge und warum es sich lohnt, in Nachhaltigkeit zu investieren.

Jürgen Brinkmann Vorstandsvorsitzender der Volksbank BraWo

Herr Brinkmann, wie schätzen Sie die weitere Entwicklung rund um das Thema Nachhaltigkeit ein?
Das Thema gewinnt bereits rasant an Bedeutung. Das Verbraucherverhalten verändert sich und Entscheidungsprozesse, sei es die Wahl für einen Arbeitgeber oder für eine Investition, sind immer stärker von Nachhaltigkeitsaspekten geprägt.

Worauf müssen Banken Ihrer Meinung nach in Zukunft
verstärkt achten?
Als Finanzbranche müssen wir einen Beitrag zur Transformation leisten, damit Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben an Größe gewinnt. Für die Volksbank BraWo und die Braunschweiger Privatbank müssen wir zwei Seiten betrachten. Zum einen erwartet die Aufsicht von uns, dass wir uns u.a. mit den Klimarisiken und ihren Folgen auseinandersetzen und diese in die Unternehmenssteuerung einbeziehen. Zum anderen ist es uns wichtig, im Austausch mit unseren Kunden und Mitgliedern die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wirtschaft proaktiv zu stellen.

Welche Rolle spielt dabei das Klassifizierungssystem
der EU-Taxonomie?
EU-Taxonomie hat eine größere Bedeutung als auf den ersten Blick sichtbar. Als Klassifikationssystem für nachhaltige Investments, sozusagen als "grüne Liste" für nachhaltiges Wirtschaften, sind damit zunächst alle Banken und Versicherer angesprochen. Für uns als Bank wird es darum gehen, selbst nachhaltig, also CO2-neutral zu sein und unser Kreditportfolio noch nachhaltiger zu gestalten.

Welche Rolle spielen die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in ihrer Bank?
Der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) – und damit auch wir – bekennt sich eindeutig zu den Zielen der Vereinten Nationen. In der neuen Strategie mit dem modifizierten Nachhaltigkeitsleitbild wird dies explizit auch für unser Haus übernommen.

Warum sollten Anleger ihren Blick auf nachhaltig wirtschaftende
Unternehmen richten?
Nachhaltigkeit heißt Zukunftsfähigkeit. Wer in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen investiert, kann von deren Ausrichtung auch ökonomisch profitieren. Das liegt daran, dass die Wettbewerbsfähigkeit solcher Unternehmen dauerhaft ist, weil das Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppelt wird. Zudem steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Angeboten. Qualität und Preis sind nicht mehr ausschließlicher Fokus, der Blick richtet sich zunehmend auf die gesamte Wertschöpfungskette: Fragen nach der Herkunft von Rohstoffen, den Arbeitsbedingungen in der Lieferkette sowie etwaigen negativen Auswirkungen von Produktion und Entsorgung.

Worauf legt die Volksbank BraWo besonders wert?
Wir leben Verantwortung jeden einzelnen Tag, immer in dem Bewusstsein, dass wir auf dem Weg und noch nicht am Ziel sind. Aufgrund der enormen negativen Auswirkungen der Klimakrise legen wir den Fokus verstärkt Umweltschutz und CO2-Einsparung. Deshalb achten wir auch auf ökologisch verträgliches Handeln und auf ein partnerschaftliches Miteinander. Zukünftige Generationen sollen sich auf eine lebenswerte Zukunft freuen können und die wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden und Mitarbeitenden gestalten.

In welchen Bereich sind sie bereits aktiv?
Bei allem, was wir tun, stellen wir uns die Frage: Welchen Beitrag können wir als Unternehmen leisten, um nachhaltiger zu agieren? Wir konzentrieren uns dabei auf verschiedene Handlungsfelder, die sich einander beeinflussen. So tragen wir beispielsweise in unserem Kerngeschäft eine besondere Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung und bieten etwa Anlagemöglichkeiten, die soziale und ökologische Kriterien einbeziehen. Gleichfalls beraten wir unsere Kunden aktiv zu Finanzierungsfragen, die der energetischen Effizienz dienen. Und auch im Geschäftsbetrieb verpflichten wir uns zu einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise, z.B. durch die Umstellung auf Ökostrom oder systematische Maßnahmen wie im Bereich IT zur Senkung des Energieverbrauchs. Darüber hinaus liegt uns gesellschaftliches und soziales Engagement sehr am Herzen. Unser Kindernetzwerk United Kids Foundations ist dabei der beste Beleg für einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit mit einer hohen Breitenwirkung in der Region.

Nachhaltigkeit ist für Unternehmen immer mit Kosten verbunden. Warum haben Sie den auf den ersten Blick hohen Aufwand trotzdem auf sich genommen?
Die Genossenschafts-Idee basiert auf einem ausgeprägten Gedanken von sozialer Nachhaltigkeit. Wir sind überzeugt davon, dass nur ein nachhaltiges Unternehmen auf Dauer erfolgreich sein kann und nur ein erfolgreiches Unternehmen hat die Kraft, dauerhaft nachhaltig zu wirtschaften. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Nachhaltigkeitsleistung kontinuierlich verbessert. Davon profitieren bereits heute Umwelt , Region und Unternehmen.

 

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22. September 2022 von Presse