Börse: Die Renaissance der Value-Aktien

Die weltwirtschliche Situation ist komplex, der Politik und den Notenbanken stehen nicht zuletzt durch die Folgen der Corona-Pandemie unruhige vermutlich Zeiten und schwere Entscheidungen bevor. Portfolioberater Thomas Heinisch analysiert die Lage und erklärt, warum den Value-Aktien in diesem Umfeld eine Renaissance bevorstehen könnte.

Rückkehr der Value-Aktien

Niedrige Zinden und steiegnde Inflation

Im Angesicht der Pandemie haben Regierungen und Notenbanken umfangreiche Zusagen gemacht. Es ist daher davon auszugehen, dass die kurzfristigen Zinsen noch längere Zeit auf dem niedrigen Niveau verbleiben. Ferner ist zu erwarten, dass die Emissionstätigkeit der Staaten weiterhin sehr aktiv sein wird. Die Alternative, sich das notwendige Geld über Steuern zu besorgen, entfällt jedoch im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld.

Ein besonderes Augenmerk gilt der Inflation. Im Dezember 2020 lag sie noch bei -0,3 % und stieg im Januar 2021 auf 0,9 %, im April gar auf 2,0 % – eine bemerkenswerte Steigerung. Die Notenbanken müssen in dieser Situation abwägen, ob wir hier eine vorübergehende und auch gewünschte Inflation sehen, oder die Ausweitung der Bilanzen von FED und EZB mittlerweile zu unerwünschten Effekten führt.

Aktien als letzte liquide Anlageklasse

Die Konkurrenz der liquiden Anlageklassen ist weitestgehend außer Kraft und wird es bleiben. Am Rentenmarkt werden kaum positive Erträge zu erwirtschaften sein. Die Ausnahmesituationen im Bereich der Nachranganleihen, die durch die Regulatorik befeuert werden, und die Anleihen mit niedrigen Bonitätseinstufungen stellen nur Nischen am Rentenmarkt dar. Ein stets aktuelles Thema ist der Markt der Mikrofinanzanlagen, die durchaus ein attraktives Randprodukt darstellen. Auch Gold und Silber tragen keine Früchte.

Es bleiben die Aktien als letzte liquide Anlageklasse, von der Erträge zu erwarten sind. Es scheint, als wird man geradezu in diese Anlageklasse hineingetrieben. Ein beispielloses Aktienjahr 2020 liegt hinter uns. Schon zur Mitte des Jahres ist abzusehen, dass dies keine Blaupause für das jahr 2021 werden wird. 

Annäherung der Bewertungen von New und Old Economy

Beim Blick auf die Inflationsentwicklung müssen wir uns vor Augen halten, dass stets mit dem Monat des Vorjahres verglichen wird. Ein Blick auf den Ölpreis: Die Sorte WTI lag Ende März 2020 bei ~21 USD, Brent bei ~29 USD. WTI notiert dieser Tage um 65 USD und Brent bei knapp 70 USD. Da kann die Inflationsrate durchaus kurzfristig anspringen.

Dieses Inflationsszenario lässt erwarten, dass die Wachstumswerte ihre beispiellose Rallye aus 2020 nicht einfach fortsetzen. Das Wachstum der zukünftigen Gewinne wird bei entsprechend steigenden Inflationserwartungen stärker abdiskontiert, womit sich die Bewertung schon bei gleichbleibenden Kursen erhöht. Bei einigen der Favoriten aus dem Vorjahr lässt sich bereits seit einiger Zeit eine Seitwärtsbewegung ausmachen, während Titel der sogenannten Old Economy wieder stärker in den Fokus rücken. Hier sind die Bewertungen oftmals noch niedrig oder moderat und es sind zudem Dividenden zu erwarten. Insofern kann 2021 zu einer Annäherung der Bewertungen von New und Old Economy führen, mit Vorteilen für die Old Economy.

Meisterwert Perspektive holt auf

In unserem Fonds Meisterwert Perspektive beobachten wir schon seit einiger Zeit die steigenden Kurse der etablierten Dividendenzahler. Die Ausschüttung aus dem Februar hat der Fonds mehr als aufgeholt. Die Gründe für einen Favoritenwechsel sind oben beschrieben, die Chancen dafür stehen gut. Meine Prognose: Wir sehen den Beginn eines neuen Zyklus für Value-Investoren.

Zurück zum Magazin

06. Juli 2021 von Thomas Heinisch Schlagwort: Börse